Nicht alles grau um das OEZ

Ein kühler Tag im Januar. Der novembergraue Himmel lässt die in die Jahre gekommnenen Betonbauten des OEZ gleich noch einmal trostloser erscheinen. Warum habe ich mir bloß so einem Tag ausgesucht, um die Gegend um das Olympia Einkaufszentrum zu Fuß zu erkunden? Es würde gerade viel mehr dafür sprechen, hinein ins Warme zu gehen, in der Passage etwas zu bummeln, vielleicht einen Cappuccino zu trinken. Auch wenn ich Malls eigentlich nicht besonders mag: bei so einem Wetter haben sie doch ihre Vorteile. Diesmal gehe ich aber nicht die Stufen zum Haupteingang hoch, sondern wechsle auf die andere Straßenseite.

Am Mahnmal für das schreckliche Attentat vor 8 Jahren kommt man hier nicht vorbei. Noch immer werden Blumen und Kerzen aufgestellt. Auch Bilder der Opfer stehen auf dem Boden. Porträts dieser jungen Menschen sind auch Bestandteil des Mahnmals selbst. Sie lächeln den Passanten auf den Fotos an. Und gerade das erschreckt. Fröhliche Jugendliche, brutal und sinnlos aus ihrem viel zu kurzen Leben gerissen. Ich bleibe in Gedanken eine Weile stehen, bevor ich meinen Weg um das OEZ beginne.

Nach wenigen Metern bleibe ich aber erneut stehen. Wieder ein Bild eines fröhlichen jungen Menschen. Eine Frau im Rollstuhl lächelt von einem Plakat an der Bushaltestelle. Das Motiv gehört zu einer Kampagne der Pfennigparade. "Ein gutes neues Ja" steht da in großen Lettern. "Ja zum Menschen - Ja zum Miteinander - Ja zur Inklusion". Welch ein Gegenentwurf zur Menschenverachrug des Attentats! Und welch ein Zufall: Der jungen Frau auf dem Plakat bin ich erst vor Kurzem begegnet. Ich habe von ihrer Power gehört und habe den Eindruck, dass das Ja zum Leben für das sie wirbt,  echt ist. Ich gehe gleich mit einem ganz anderen Gefühl weiter. Und auch die Gebäude um das OEZ sind plötzlich gar nicht mehr so grau.